Warum muss ich? …

Diese Erfahrungen machen sicher alle Kinder. Manches mag man einfach nicht. Aber als Kind hat man oft wenig Möglichkeiten, diesen Dingen zu entgehen. Vieles versteht man nicht, eigene Argumente gelten nicht; Eltern können unerbittlich sein.
„Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt!“ Warum musste ich Grießbrei essen? Er schmeckte mir doch nicht, höchstens die leicht karamellisierte Zucker-und-Zimt-Schicht darauf. Oder vielleicht noch die Kirschen darin; aber der Brei …
„Du darfst dich nicht erkälten!“ Warum musste ich immer eine Strickjacke anziehen? Sie kratzte! Die anderen Kinder waren doch auch alle einfach in Bluse oder Pulli unterwegs und froren nicht. Also zog ich die Jacke aus, wenn es mir zu warm wurde und vergaß sie manchmal, in der Schule oder wo wir zuletzt gespielt hatten. Damit handelte ich mir schwere Vorwürfe ein. „Wo hast du nur deinen Kopf? Du musst besser auf deine Sachen achten!“ Tja, ohne Jacke wäre das nicht passiert …
„Jetzt wird geschlafen!“ Warum musste ich immer auf der Stelle ins Bett, auch wenn mein Buch gerade sooo spannend war und ich doch nur noch zwei Seiten zu lesen hatte? Aber nein, „Keine Widerrede!“, hieß es. (Auf den Trick mit der Taschenlampe unter der Decke kam ich erst später.)
„Du sollst ordentlich aussehen!“ Warum musste ich immer kurze Haare haben? Ich hätte so gern Zöpfe gehabt! Aber alle paar Wochen ging es zum Friseur. Mama bekam Waschen und Legen, mein Haar sollte kurz geschnitten werden. Meist musste ich warten, bis ich an der Reihe war, aber das störte mich nicht. Ich blätterte dann ausgiebig in den Illustrierten, die auf einem Tischchen für die Kunden bereit lagen. Einmal entdeckte ich in der ‚Quick‘ eine lange Reihe Bilder, die ich ausgesprochen amüsant fand: Eine dunkelhäutige Frau, die nur ein Röckchen aus Bananen trug — sonst nichts! — tanzte auf einem Podium in unglaublichen Verrenkungen und machte dazu allerlei lustige Grimassen. Um sie herum waren viele lachende Gesichter zu sehen. Josephine Baker hieß diese Tänzerin. Meine Mutter fand an diesen Bildern allerdings ganz und gar nichts Amüsantes. Sie schnappte nach Luft und riss mir das Heft aus der Hand. „Das ist nichts für Kinder!“ Warum begriff ich erst später …

 

 

Das war nun die vorletzte Geschichte. Es gibt noch eine über den Nikolaus, aber dazu ist es noch zu früh.

Ich hoffe, das Lesen meiner kleinen Geschichten hat Ihnen Spaß gemacht. Vielleicht wurden Sie ja auch an eigene Kindheitserlebnisse erinnert?

 

Autor: Christiane