Autor: Christiane

Weihnachtsmarkt

Alle Jahre wieder … Ich unterstütze Unicef ehrenamtlich beim Verkauf von Weihnachtskarten. Neulich hatte ich ein nettes Erlebnis: Ein junger Mann eilte auf den Stand zu, strahlte über das ganze Gesicht und erklärte mir wichtig: „Ich brauche Weihnachtskarten! Ich habe mich kürzlich verlobt und die Familie meiner zukünftigen Frau hält total auf Tradition. Da kann ich mit e-mails zu Weihnachten nicht punkten. Also brauche ich Weihnachtskarten, die schönsten, die Sie haben!“ Er heiratet wohl in eine Großfamilie ein, denn er kaufte dreißig Karten. Wer sich animiert fühlt, auch zur guten alten Weihnachtskarte zurückzukehren, sollte auf dem Weihnachtsmarkt am Hauptbahnhof...

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Kindheitserinnerungen (9)

Der Nikolaus kommt! Früher hatte der Nikolaus immer eine bunt gefüllte Tüte vor die Tür gestellt; in diesem Jahr sollte er tatsächlich höchstpersönlich zu uns kommen! Ich war ziemlich aufgeregt und erwartete einen Bischof in goldenen Gewändern, der uns wunderbare Geschenke brachte. Von meinen Klassenkameraden hatte ich schon viel gehört, auch, dass manchmal ein Angst einflößender Knecht Ruprecht dabei war, der mit Ketten rasselte und mit seiner Rute herumfuchtelte. Meine kleinen Geschwister nahmen die Sache gelassen, sie wussten ja noch nicht, was da auf sie zu kam. Dann war es endlich soweit: Ein Glöckchen bimmelte vor der Tür, meine...

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Kindheitserinnerungen (8)

Warum muss ich? … Diese Erfahrungen machen sicher alle Kinder. Manches mag man einfach nicht. Aber als Kind hat man oft wenig Möglichkeiten, diesen Dingen zu entgehen. Vieles versteht man nicht, eigene Argumente gelten nicht; Eltern können unerbittlich sein. „Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt!“ Warum musste ich Grießbrei essen? Er schmeckte mir doch nicht, höchstens die leicht karamellisierte Zucker-und-Zimt-Schicht darauf. Oder vielleicht noch die Kirschen darin; aber der Brei … „Du darfst dich nicht erkälten!“ Warum musste ich immer eine Strickjacke anziehen? Sie kratzte! Die anderen Kinder waren doch auch alle einfach in Bluse oder Pulli...

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Kindheitserinnerungen (7)

Meine Freundin Solí. „Ich stelle euch eure neue Klassenkameradin vor, Solange Duchamps.“ Neben dem Lehrer stand ein schmales blondes Mädchen, dem es sichtlich unangenehm war, von so vielen Kindern kritisch beäugt zu werden. Als der Lehrer ihren Namen an die Tafel schrieb, war es ganz aus. Wie heißt die?! So-lange? Die Klasse johlte. „Ruhe!“ Der Lehrer erklärte, der Name sei französisch, führte Solange zu ihrem Platz neben mir und fragte sie: „Wie nennen dich deine Eltern?“ Sie lächelte ihn dankbar an und sagte leise: „Solí; so sagen alle zu mir.“ Wir freundeten uns an und verbrachten viele Nachmittage zusammen....

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Kindheitserinnerungen (6)

Die arme Frau Konrad Herr und Frau Konrad wohnten im Nachbarhaus. Sie hatten keine Kinder und lebten sehr zurückgezogen. Ihn sah man nur am frühen Morgen mit einem Aktenkoffer in der Hand in seinen großen Opel steigen; nach Hause kam er immer sehr spät. Frau Konrad hielt sich meist im Haus auf, mit Lockenwicklern auf dem Kopf; sie beteiligte sich so gut wie nie am Schwatz der Nachbarinnen. Wenn sie das Haus verließ, ging sie immer sehr eilig und hielt sich nirgends auf. Eines Nachmittags geschah etwas Schreckliches. Aus dem Haus der Konrads hörte man lautes Geschrei und Weinen....

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